Kuriosithek: Schelm

Kuriosithek: Schelm

Ein Schelm, wer Böses dabei denkt …

Ja, es ist wieder so weit, die Kuriosithek bekommt Zuwachs!
Und gewonnen hat: der Schelm!

„Ein Schelm, wer dabei Böses denkt“, wird so manchem nun vielleicht einfallen – und damit hast du gar nicht so unrecht.

Der geschätzte Schelm war nämlich nicht immer als neckische Spaßmacher bekannt, dem der Schalk im Nacken hockt und mit dem sich Heinz Ehrhardt hin und wieder gern geschmückt hat.

Tatsächlich entstand der Schelm aus dem althochdeutschen Wort „Scalmo“, das sich zum mittelhochdeutschen „Schalm“ oder „Schelm“ wandelte und ursprünglich „Pest“, „Seuche“ und „Todbringer“ bedeutete.

Übles Gesinde und ehrlose Streiter

Wenn man im Mittelalter über Schelme sprach, meinte man Henker, Folterknechte und Abdecker. Die wurden zwar gebraucht, galten aber als ehrlos und genossen bei den feineren Damen und Herren kein nennenswertes Ansehen. Auch ein Ritter, der sich durch eine besonders grausame und rücksichtslose Kampfweise auszeichnete, konnte schon mal den Beinamen „Schelm“ verpasst kriegen.

Mit der Zeit gesellten sich auch Diebe, Betrüger, Schurken, Verräter und andere Bösewichte zum Bedeutungsumfang.

Der berühmte Satz über den böse denkenden Schelm ist eine Übersetzung der Devise des britischen Hosenbandordens, „Honi soit qui mal y pense.“, und bedeutet eigentlich: „Schämen soll sich, wer schlecht dabei denkt.“
Steckt da etwa auch wieder eine Geschichte hinter? Na klar! Verdammich! Bist du auch so neugierig wie ich? Ich geh einfach mal davon aus… 😉

Also: Einer Legende zufolge rettete der Gründer des Ordens, König Edward III von England, seine Geliebte auf dem Ball vor einer Blamage. Als die holde Countess of Salesbury beim Tanzen ihr blaues Strumpfband verlor, klaubte der König es einfach vom Boden auf und knotete es sich selbst unters Knie. Dann ließ er den besagten Spruch verlauten.

Sehr galant! So viel dazu.

Vom Bösewicht zum neckischen Gesellen: ein Schelmenroman

Bis ins 17. Jahrhundert hinein galt „Schelm“ als übles Schimpfwort, für das man zur Bußgeldzahlung verdonnert werden konnte. In Schillers Wallenstein klagt der Titelheld noch: „Dein Vater ist zum Schelm an mir geworden“, und meint damit: „Dein Vater hat mich verraten.“

Zum Glück wurde dann auch der Landstreicher miteinbezogen. Der hatte nämlich eine mildernde Wirkung auf die Semantik und machte aus dem Schelm einen armen Kerl, der Mitleid erregte, einen Dummkopf und schließlich einen lockeren, neckischen Leichtfuß. So wandelte sich auch der Schelmenstreich von der Schurkentat zum Schabernack.

Im 18. Jahrhundert entstand daraus auch der Begriff „Schelmenroman“ für die fiktive Autobiografie eines bauernschlauen Unterschichtlers, der gewitzt durch die Gesellschaftsschichten turnt. „Der abenteuerliche Simplicissimus“, der auch als erster deutschsprachiger Abenteuerroman angesehen wird, kann hier als berühmtes Beispiel herhalten.

Irgendwie ist die Geschichte dieses Wörtchens selbst eine Art Schelmenroman – Wie aus dem ehrlosen Todbringer ein sympathischer Scherzbold wurde.

Das stimmt mich hoffnungsfroh. ^^

 

 

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