Kuriosithek – das Wörtchen der Woche lautet: bärbeißig

Weiße Schrift und Schreibfeder-Icon auf schwarzem Hintergrund: Kuriosithek - bärbeißig | Klopfecke - Texte mit Geist


Bärbeißig - wie eine Bulldogge, nur jünger

Hallo liebe:r Wörtchen-Freund:in,

kennst du auch so grummelige, grantige Typen, die gute Laune eher sparsam einsetzen und sich gerne mal in der Lautstärke oder bei der Wortwahl vergreifen? Es gibt ein interessantes Adjektiv, mit dem sich solche Persönlichkeiten treffend beschreiben lassen: Sie sind bärbeißig.

Das bedeutet: Sie haben etwas von einem Bärenbeißer

Bärenbeißer waren Hunde, die im 18. Jahrhundert zur Bären- und Büffeljagd eingesetzt wurden. Zur damaligen Zeit richteten hochwohlgeborene Persönlichkeiten gern pompöse Jagdveranstaltungen aus, auf denen sich der Adel amüsieren konnte. In ihren luxuriösen Jagdgewändern trabten sie auf ihren edlen Rössern heran, um den tödlichen Schuss abzugeben, sobald Diener, Knechte und Hunde die eigentliche Jagd erledigt und den Bär aufgescheucht, gejagt und in die Enge gehetzt hatten. Unschöne Sache!

Ähnlich wie die englische Bulldogge, mit der sie verwandt waren, zeichneten sich Bärenbeißer durch einen untersetzten, stämmigen Körperbau, einen dicken Kopf und einen hervorstehenden Unterkiefer aus und waren außerdem enorm beißwütig. Dadurch erweckten sie den Eindruck, stets missmutig und schlecht gelaunt zu sein. Personen, denen es ebenso ging, mussten sich ab dato mit dem Bärenbeißer vergleichen lassen.

Der Bär, dessen Name nicht genannt werden darf

Heute ist der Bärenbeißer ausgestorben. Ähnliches blüht wohl auch dem Wörtchen, das aus der Bezeichnung der Hunderasse hervorgegangen ist – seit Ende der 1990er Jahre ist ein stetiger Rückgang der Verwendung von „bärbeißig“ zu verzeichnen.

Bei meiner Recherche zu diesem Wörtchens bin ich übrigens auf eine weitere ungewöhnliche Besonderheit gestoßen: Wusstest du, dass „Bär“ ursprünglich bloß eine harmlose Umschreibung, eine Art Kennwort für den alten Meister Petz war? Die Römer nannten ihn „ursus“, bei den alten Griechen wurde er „àrktos“ genannt.

Die Germanen hatten ebenfalls einen eigenen Namen für den pelzigen Gesellen, der wurde aber nicht laut ausgesprochen oder – Odin bewahre! – aufgeschrieben, denn die Germanen glaubten an Sprachmagie und fürchteten, die Bestie durch die Nennung ihres Namens heraufzubeschwören. Also nannten sie das Tier „beron“, „der Braune“. Der Bär war also eine Art germanischer Du-weißt-schon-Wer …

Ist das nicht erstaunlich?!



Dieser Beitrag hat 3 Kommentare

  1. Birgit

    „Bärbeissig“ hatte bisher für mich einen eher verniedlichenden Klang. Vielen Dank für die Aufklärung.
    Es erscheint mir auch eine treffende Beschreibung für Menschen, die herzlos und gewissenlos den Mächtigen in die Hände spielen.
    Ich werde dieses Wort jetzt wohl öfter benutzen.

    1. Dorit Flor

      Darüber freut sich nicht nur das Wörtchen, sondern auch eine gewisse wortverliebte Texterin. 😊
      Vielen Dank für dein wertschätzendes Feedback, liebe Birgit. 💜

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