Kuriosithek – das Wörtchen der Woche lautet: wohlgemut

Weiße Schrift und Schreibfeder-Icon auf schwarzem Hintergrund: Kuriosithek - wohlgemut | Klopfecke - Texte mit Geist


Wohlgemut - das hoffnungsfrohe Wörtchen aus dem Mittelalter

Heute zieht wieder ein erquickliches Wörtchen in die Kuriosithek. Denn was hilft besser gegen trübe Stimmung angesichts nasskalten Regenwetters, als ein munteres Sprachstückchen, das Fröhlichkeit, Zuversicht und gute Laune versprüht …?!

Wohlgemut heißt der neueste Zugang. Klingt er nicht hübsch? Mindestens genauso schön ist die Semantik, die das Wörtchen mitbringt: Eine Stimmung voll hoffnungsfroher Erwartungen, optimistisch und guter Dinge. „Wohlgemut stürzte er sich ins Abenteuer.“; „Sie ließ sich nicht von falschen Versprechungen und überzogenen Erwartungen verunsichern, sondern blieb wohlgemut.“; „Er feixte und grinste wohlgemut.“

Auch dieses Wörtchen stammt aus dem guten alten Mittelalter, das schon so manch erfreuliches Wort hervorgebracht hat, das sich bis in die heutige Zeit durchschlagen konnte.

Das mittelhochdeutsche Wort „wolgemuot“ entstand durch die fruchtbare Verbindung des germanischen Adjektivs „wol“ für „gut“ und des althochdeutschen Substantivs „muot“, das für „Seele“, „Gemütszustand“ und „Kraft des Denkens“ stand. Das englische Wörtchen „mood“ hat hier ebenfalls seine Wurzeln.

Stock und Hut steht ihm gut, ist auch wohlgemut

Seine Hochzeiten hat das Wörtchen „wohlgemut“ allerdings längst hinter sich. Vom 16. Bis zum 19. Jahrhundert wurde es gern und häufig verwendet, gegenwärtig bekommt man es nur noch selten zu Gesicht. In einigen alten Kinderliedern, die auch heute noch gesungen werden, kann man das sympathische Adjektiv aber noch antreffen.

„Hänschen klein, geht allein
In die weite Welt hinein,
Stock und Hut steht ihm gut,
Ist auch wohlgemuth.
Aber Mutter weinet sehr,
Hat ja nun kein Hänschen mehr.
Wünsch dir Glück, sagt ihr Blick,
Komm nur bald zurück!“

Wie, Hänschen kommt nicht gleich wieder nach Hause gelaufen, weil Mami traurig ist? Nein – zumindest nicht in der Originalversion, die aus der Feder des Dresdner Lehrers Franz Wiedemann stammt. Hier geht es etwas anders weiter:

„Viele Jahr, trüb und klar,
Hänschen in der Fremde war.
Da besinnt sich das Kind,
Ziehet heim geschwind.
Doch, nun ist’s kein Hänschen mehr,
Nein, ein großer Hans ist er;
Schwarz gebrannt Stirn und Hand.
Wird er wol erkannt?

Eins, Zwei, Drei gehn vorbei,
Wissen nicht, wer das wol sei.
Schwester spricht: Welch’ Gesicht!
Kennt den Bruder nicht.
Kommt daher die Mutter sein,
Schaut ihm kaum ins Aug hinein,
Ruft sie schon: Hans! Mein Sohn!
Grüß dich Gott, mein Sohn!“

In diesem Sinne beschließen wir die Woche wohlgemut!

 

Dieser Beitrag hat 5 Kommentare

  1. Birgit

    Was für ein fröhliches Wörtchen 😊👍🏻💕

  2. Marie

    Oh, liebe liebe solche Sprachschätze🌸💛🌸 „Wohlgemuth“ ist herrlich! Mag ich!
    Danke 🌸
    Magst du meine heimlich gesammelten Lieblingswörter wissen?

  3. Margaretha

    So eine schöne Erklärung, liebe Dorit. Es ist schon schade, dass solch schöne Wörter nicht mehr im Sprachgebrauch sind. Unsere deutsche Sprache hat so viele bedeutungsvolle Worte.
    Herzliche Grüße
    Margaretha

    1. Dorit Flor

      Da kann ich dir nur recht geben, liebe Margaretha.
      Danke für das liebe Feedback!
      Deshalb versuche ich, einige davon wieder aufleben zu lassen – wenn auch nur für eine kurze Lektüre. 😊
      Herzliche Grüße zurück. 💜

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